Heute Abend versammeln sich Niddaer Gemeindeglieder am Gedenkstein für die verfolgten und ermordeten jüdischen Familien am Johanniterturm, um des schlimmen  9.Novembers und seiner Folgen zu gedenken.
Dazu werden auch alle Kirchenglocken läuten und die Menschen gebeten, eine Kerze ins Fenster zu stellen, um der jüdischen Familien aus Nidda und anderen Orts zu gedenken und ein Zeichen gegen erneutes Aufkommen von Antisemitismus zu setzen.   
Es ist unvorstellbar, dass in einer Nacht über 1000 Synagogen angezündet wurden. Prof. Meier Schwarz von „Synagoge Memorial“ spricht von 1406 in Deutschland. Synagogen waren und sind der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinden, wo gelehrt, gelernt, sich versammelt und Gottesdienste gefeiert wurden. 
Diese Gotteshäuser waren das Ziel der Zerstörung und traf die jüdischen Gemeinden an ihrem sensibelsten Punkt. Nicht nur die Gebäude an sich wurden zerstört, sondern auch sakrale Gegenstände und ihr Allerheiligstes, die Thorarollen, wurden mancherorts auf die Straßen geworfen, zertrampelt oder angezündet. Bestenfalls wurden sie mitgenommen und in ein zentrales Lager gebracht. 
Die Niddaer Synagoge blieb ja verschont, weil sie schon vorher verkauft worden war und die neue Besitzerin vehement dagegen protestierte. Dass ein mutiger Niddaer Fuhrunternehmer die Thorarollen an sich nahm, versteckte und nach dem Krieg dem ersten Bürgermeister wieder überbrachte, ist ein Beispiel von Zivilcourage. Die Thorarollen kamen schließlich nach Israel und New York in Synagogen, wo sich auch Niddaer Juden und ihre Nachfahren versammeln und beten. 
In dieser Nacht wurden nicht nur über 1400 Synagogen in Brand gesteckt, sondern 30 000 Juden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die angebliche Zahl der Ermordeten mit 91 ist zu niedrig, man geht von 1000 aus, wenn man die Zahl derjenigen hinzunimmt, die in den KZs  an den Folgen der Haft, Krankheiten und Hunger starben. Außerdem stieg nach der Reichspogromnacht die Zahl der Suizide sprunghaft an: 400 in der Nacht und am nächsten Tag weitere 400. Es wurden 7500 Geschäfte geplündert oder  Wohnungen demoliert. 
Diese Nacht war, wie ein Betroffener schrieb oder sagte, „der Anfang vom Ende und auch der Anfang vom Ende des Lebens.“
Diese Ereignisse steigerten sich danach in ihrer unvorstellbaren Grausamkeit bis zur systematischen Ermordung von sechs Millionen Juden.
Es war die Katastrophe vor der Katastrophe! 
Mit dem von Pfarrer Dr. Stingl initiierten jüdischen Museum wollen wir mit den Kräften und Möglichkeiten, die wir haben, „gegen das Vergessen“ arbeiten. Danke allen, die sich interessieren und sich aktiv für das Museum einsetzen.
Lasst uns eine Kerze anzünden, denn schon eine Kerze macht einen dunklen Raum hell. 
Hildegard Schiebe und das Museumsteam